Atemschutz

Der Atemschutz ist ein elementarer Baustein im Feuerwehrwesen. Der Schutz vor Atemgiften ist damals wie heute unverzichtbar für den Schutz des Feuerwehrmannes im Einsatzfall. Nicht nur Brände, sondern auch Gefahrguteinsätze gehören zum klassischen Aufgabengebiet, bei dem mit Atemschutz vorgegangen wird.

Die Ausbildung in der Atemschutzkriechstrecke Dachau ist ein fester Bestandteil in den Ausbildungen auf Landkreisebene. Zuvor wurden die Atemschutzgeräteträger zum Teil in den Feuerwehrschulen Regensburg und Würzburg oder in den Feuerwehren selbst ausgebildet.

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es bereits seit vielen Jahren Vorschriften zur Atemschutzausbildung in den bayerischen Feuerwehren gibt.

In der Übungsordnung für die bayerischen Feuerwehren Teil II „Der Atemschutz“ in der Ausgabe von 1965 wird auf Seite 6 den Anforderungen ein interessanter Passus gewidmet.      

Zitat: 1. Gutachten über die Eignung
Die den Feuerschutz ausübenden Kräfte müssen hohen körperlichen, geistigen und seelischen Anforderungen gewachsen sein. Das gilt im besonderen Maße für den Atemschutz. Die Eignung für den Atemschutz muß daher geprüft werden. Dies geschieht durch eine ärztliche Untersuchung. Zur Atemschutzausbildung dürfen nur Feuerwehrmänner zugelassen werden,die nach dem ärztlichen Zeugnis als geeignet bezeichnet werden, nicht dem Alkohol zugetan sind und keine losen Zahnprothesen tragen. Das Gutachten über die Eignung ist zu den Personalakten zu nehmen.

Sinngemäß spiegelt dieser Absatz aus dem Jahr 1965 den  Text über die Anforderungen der heute gültigen FwDV 7 wieder.

Atemschutzgeräte werden den Freiwilligen Feuerwehr seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhundert eingesetzt. Diese damaligen „Rauchapparate“ haben nur mehr wenig mit den Hightech- Atemschutzgeräten, wie sie heute im Einsatz sind, gemeinsam.

Nicht nur die Atemschutzgeräte und die Schutzausrüstung haben sich seither verändert, sondern auch die Anforderungen an den Atemschutzträger und die Gefahren, die ihn im Innenangriff erwarten. Früher wurden Gebäude hauptsächlich aus weitgehend unbehandelten und natürlichen Materialien, wie Holz, Tonziegel oder Baumwolle, errichtet. Aus denselben natürlichen Stoffen waren Möbel und Einrichtungsgegenstände hergestellt. Heute dagegen finden wir überall Klebstoffe, PVC, Kunstfasern und Lacke – dies nicht nur Möblierung sondern auch in allen anderen Geräten des täglichen Lebens.

Die so genannte Brandlast hat sich deutlich erhöht und mit ihr die daraus resultierenden Gefahren für die Helfer der Feuerwehr, die im Innenangriff vorgehen. Es entstehen Atemgifte wie, z.B. Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Blausäure, vor denen sich die Feuerwehrkräfte schützen müssen – mit Hilfe der Atemschutzgeräte.

Atemschutz wird nicht nur bei Brandeinsätzen benötigt. Bei Chemikalienunfällen, Gefahrstoffaustritten, radioaktiven Gefahren und vielem mehr kommen Atemschutzgeräteträger mit gesonderter Zusatzausbildung durch das ABC-Team zum Einsatz. Um als Atemschutzgeräteträger eingesetzt werden zu können, ist eine ärztliche Tauglichkeitserklärung (G26.3), ein Alter von mind. 18 Jahren sowie eine 24-stündige Grundausbildung erforderlich. Spezielle (zwei jährliche) Atemschutzübungen sind nach erfolgreichem Lehrgangsabschluss zu besuchen, um für die anstrengenden und nicht ungefährlichen Einsätze gewappnet zu sein.

Der Innenangriff unter Atemschutz ist einer der wirkungsvollsten Möglichkeiten, einen Brand in Gebäuden zu bekämpfen. Die Zeiten, in denen ein brennendes Gebäude „geflutet“ wird, um das Feuer zu löschen, gehören längst der Vergangenheit an. Taktisches Vorgehen unter Verwendung von minimalem Löschmitteleinsatz sind der Garant für schnellen Löscherfolg und Vermeidung von Folgeschäden am Gebäude.
Um die Folgeschäden zu minieren werden heute z. B. ein Rauchvorhang (gegen Ausbreitung von Rauch), Wärmebildkamera (zum Aufspüren von versteckten Glutnestern) oder Hohlstrahlrohre (für die effektivere Wassernutzung) eingesetzt.

Da sich auch die Gebäude verändern und immer dichter (Fenster, Türen und die Gebäudehülle selbst) werden, verändert sich auch das Brandverhalten in den Räumen. So kann der Rauch und die entstehende Hitze nicht mehr so leicht entweichen, infolge kommt es immer häufiger zu Schwelbränden. Fügt man diesen Schwelbränden Sauerstoff hinzu besteht die Gefahr eines Flash-Over oder Backdraft.

Um die Einsatzkräfte in intensiven Schulungen darauf vorzubereiten wie sie sich richtig zu verhalten haben, ist auch die Kleidung immens wichtig. Früher wurde nahezu handelübliche Arbeitskleidung für den Löscheinsatz verwendet, heute benutzt man nach neuesten Kenntnissen 3-lagige Hosen und Überjacken mit entsprechenden Handschuhen und Stiefeln. Denn was das Feuer und dessen Hitze noch nicht schaffte zu durchdringen durchdrang dann spätestens der heiße Wasserdampf des Löschangriffs.

Aber um die Feuerwehrkräfte bestens zu schulen steht ein 15 Mann starkes Ausbildungsteam des Landkreises Dachau zur Verfügung und auch die Gemeinden tun ihr Bestes um die Feuerwehrfrauen und -männer entsprechend auszustatten. Trotz bester Vorsorge bleibt der Innenangriff einer der gefährlichsten Jobs bei der Feuerwehr, da hier in kürzester Zeit viele Faktoren (Gebäudealter, Gebäudegröße, Gebäudenutzung, Brandlast, Wetter, Personen im Gebäude, Uhrzeit) die Lage beeinflussen und ändern können.